Warum kaufen wir oft mehr, als wir brauchen?

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Die Anordnung der Produkte im Regal, die Laufrichtung oder die Gangbreite. In einem Supermarkt wird nichts dem Zufall überlassen. Bewusst angewandte Strategien von Supermarkt & Discounter beeinflussen unser Kaufverhalten. Falls dies jedoch noch nicht ganz für eine Kaufentscheidung ausreicht, erledigen die einzelnen Produktverpackungen den Rest. Zum Ende des Artikels findest du 6 Tipps für ein bewusstes Einkaufen und wie es dir gelingt, nur das in den Einkaufswagen zu legen, was du wirklich brauchst.

Bewaffnet mit einer durchdachten Einkaufsliste betreten wir den Supermarkt. Gang für Gang arbeiten wir uns zu der Kasse vor. Dort angekommen stellen wir fest, dass wir wieder einmal mehr in unseren Einkaufswagen eingepackt haben, als wir eigentlich vor hatten. Dass dort Produkte gelandet sind, die wir eigentlich gar nicht wollten oder brauchen. Und das trotz des vorhandenen Einkaufszettels. Wie kann das sein? Nun ja…dafür gibt es viele verschiedene Gründe, die sich teilweise auch einander ergänzen.

Bewusste Manipulation

Was wird heute noch dem Zufall überlassen? Auch die Supermärkte haben ein großes Interesse daran, ihre Kunden zu beeinflussen. Schließlich besteht das Interesse des Ladens nicht vorrangig darin, uns mit Lebensmitteln zu versorgen, sondern letztlich im Umsatz. Ein Supermarktbetreiber möchte, wie ein Ladenbetreiber in jedem anderen Segment auch, Geld verdienen. Damit dies möglichst erfolgsversprechend gelingt, werden verschiedene Strategien angewandt.

So haben sich Supermärkte zu gut durchdachten Labyrinthen entwickelt, welche mittels wissenschaftlicher psychologischer Daten erstellt wurden und so den Kunden zum Kauf animieren sollen. Angefangen bei dem strategischen Aufbau des Sortiments, der bewussten Platzierung der Produkte im Regal, der vorgegebenen Laufrichtung bis hin zu der Gangbreite. Alles hat einen Sinn.

Während sich beispielsweise die teureren Produkte im Sichtfeld der Kunden befinden, werden ähnliche Produkte mit einer geringeren Gewinnspanne auf den oberen oder unteren Regalböden platziert. So kommt der Kunde nicht umher, die teureren Produkte zumindest einmal anzusehen. Oft ist damit die Entscheidung auch schon gefallen.

Besonders teure Produkte befinden sich im Kassenbereich. Warum ist das so? Ganz einfach. Hier hat der Kunde aufgrund der Warteschlage Zeit, sich in Ruhe umzusehen. So wandern häufig teure Riegel, welche an einem anderen Ort des Ladens kaum Beachtung finden würden, doch noch spontan in den Wagen oder auf das Band. Auch die Ungeduld oder Begeisterungsfähigkeit von Kleinkindern wird durch spezielle, sogenannte „Kinder-Lebensmittel“ hier ausgenutzt.

Ist dir schon mal aufgefallen, dass sich das Obst & Gemüse meist im Eingangsbereich des Ladens befindet?

Auch dies hat einen bestimmten Grund. Die vielen bunten Farben wirkend einladend und erobern sich so unsere Aufmerksamkeit. Hier, zwischen dem Obst- & Gemüsesortiment schlendern die Kunden langsam durch die Regale und stellen sich dadurch unbewusst auf einen ruhigen Einkauf ein. Stress oder Eile ist in der Obst- & Gemüseabteilung seltener vorzufinden. Ebenso entschleunigend sollen auf uns die sogenannten „Bremszonen“ wirken. Dies sind Hindernisse wie zum Beispiel Aufsteller mit Sonderangeboten, welche so platziert sind, dass sie unweigerlich übersehen werden können. Auch diese sollen die Schrittgeschwindigkeit verringern, sodass der Kunde besser das Angebotene wahrnehmen kann.

„Frische Backwaren“ im Eingangsbereich

In Discountern oder teilweise auch in Supermärkten sieht der Eingangsbereich manchmal auch etwas anders aus. Statt frischem Obst & Gemüse findet sich hier die Backstation. Diese verbreitet angenehme Gerüche und regt so unseren Appetit an. Wer hungrig einkauft, kauft schließlich mehr.

Beeinflussen uns auch die Produkteverpackungen?

Eine Auswahl, ja nur eine Auswahl, an Strategien, welche der Supermarkt als solches direkt umsetzen kann, haben wir also nun kennengelernt. Doch inwiefern tragen hinzukommend auch noch die Produktverpackungen zu unserer Kaufentscheidung bei? Die typischen „Serviervorschläge“, welche auf den jeweiligen Produkten bildhaft dargestellt sind, haben vor allen Dingen ein Ziel: Assoziation. Sind auf einem Fruchtjoghurt beispielsweise frische Erdbeeren abgebildet, so assoziieren wir damit ein gesundes Produkt, welches aus frischen Früchten zubereitet wurde. Die Wahrheit sieht jedoch leider meist anders aus: Statt frischem Obst wird reichlich Zucker, Farbstoffe und Aromen zugesetzt. Von frisch verarbeiteten Früchten nicht die geringste Spur. Genauso sieht es bei Produkten tierischen Ursprungs aus. Eine Verpackung mit einer schönen Berglandschaft, zwei oder drei Kühen und einem Holztisch wirkt doch irgendwie ansprechender und gewissenhafter, als eine Verpackung mit einem Massentierhaltungsstall, oder?

An dieser Stelle sei angemerkt, dass es natürlich durchaus transparente Hersteller gibt, deren Produkte halten, was sie versprechen!

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Welche Faktoren eines einzelnen Produkts haben einen maßgeblichen Einfluss auf unsere Kaufentscheidung?

Zu allererst sticht uns natürlich die Verpackung in die Augen (welche, wie du soeben gelesen hast, oft leere Werbeversprechen darstellen). Empfinden wir diese als ansprechend, sind wir der Kaufentscheidung schon ein gutes Stück näher gerückt. Einer Forsa-Umfrage zufolge achten Kunden darüber hinaus besonders auf die Haltbarkeit und den Preis. Auch die verwendeten Zutaten sowie eine regionale Herkunft spielen eine Rolle. Noch vor 6 Jahren war für mehr als die Hälfte der Menschen der Preis ausschlaggebend. Ein günstiger, attraktiver Preis hatte demnach einen größeren Einfluss als die Inhaltsstoffe oder der Nutzen des jeweiligen Lebensmittels. Dies hat sich jedoch glücklicherweise ein wenig gewandelt. Entsprechend der Forsa-Umfrage aus dem aktuellen Jahr 2021 achten 10% weniger Kunden auf den Preis und nahezu entsprechend mehr Kunden auf die Inhaltsstoffe. Auch der Anteil derer, die auf die Regionalität der Lebensmittel achten ist in den vergangenen Jahren gestiegen. So geben mittlerweile 82% der Menschen an, Wert darauf zu legen, dass das Produkt aus der Region stammt. Das entscheidendste Kriterium ist jedoch nach wie vor der Geschmack.

Wenn du nicht nur über das Kaufverhalten, sondern auch über die Ernährungsgewohnheiten der Gesellschaft lesen möchtest, klicke einfach hier.

Wie schaffe ich es, nur das einzukaufen, was ich wirklich kaufen möchte und brauche?

Nachdem du nun einen kleinen Überblick über verschiedene Strategien, die dein Konsumverhalten beeinflussen können, bekommen hast, gebe ich dir an dieser Stelle noch ein paar Tipps mit auf den Weg, wie es dir gelingt, nur jene Lebensmittel einzukaufen, die du wirklich brauchst und möchtest. Schließlich geht es hier um den eigenen Geldbeutel ebenso wie um die Nachhaltigkeit.

Tipps für einen bewussten Einkauf

Für weitere Fragen oder Informationen kannst du mir gerne über das Kontaktformular oder per Mail an kontakt@gewusstvegan.com schreiben. Falls du dich mit dem Thema „Einkaufen“ und der entsprechenden Planung im Alltag nicht beschäftigen möchtest, schau doch mal hier vorbei.

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